Der Begründer der modernen Musikfeste

Bolko Graf von Hochberg

1876 fand auf Initiative des Grafen Bolko von Hochberg in Hirschberg das erste Schlesische Musikfest neuer Prägung statt, das gegenüber den bisherigen von Lehrergesangvereinen und damit überwiegend von Männerchören getragenen Musikfesten ein höheres musikalisches Niveau anstrebte. Höhepunkt war die Aufführung des Oratoriums „Jephta“ von Händel. Weitere Programme bildeten bei diesem dreitägigen Fest den musikalischen Rahmen, in dem verschiedene musikalische Genres von instrumentaler und vokaler Musik vertreten waren.

Bolko Graf von Hochberg (1843-1926) wurde somit zum Neubegründer der Schlesischen Musikfeste und während der nächsten Jahrzehnte zu ihrem Organisator und Impulsgeber. Schon während seines Jurastudiums in Bonn hatten ihn die Niederrheinischen Musikfeste beeindruckt. Nach kurzer Tätigkeit im diplomatischen Dienst widmete er sich „als Komponist und studierter aktiver Musiker ganz seinem zweiten Interessengebiet, der Musik“ (G. Speer). 1886 wurde er Generalintendant der Königlichen Schauspiele.

Bolko Graf von Hochberg

Seine weitreichenden Beziehungen zu den königlichen Behörden ermöglichten ihm, mancherlei Schwierigkeiten ohne bürokratische Umwege zu überwinden. Schon in der Frühzeit der Musikfeste gewann Graf Hochberg die verständnisvolle Unterstützung des Oberpräsidenten der Provinz Schlesien von Arnim, des Regierungspräsidenten des Regierungsbezirkes Liegnitz, Freiherr von Zedlitz, der Landstände der preußischen Oberlausitz und des Magistrats der Stadt Görlitz.

 

Durch seine Tätigkeit als Generalintendant der königlichen Schauspiele konnte er auch die königliche Kapelle für die Schlesischen Musikfeste gewinnen. Dieser Klangkörper und später das Philharmonische Orchester Berlin waren von 1897 bis 1931 ununterbrochen als Festorchester in Görlitz, nachdem schon seit 1889 Musiker der königlichen Kapelle und des Philharmonischen Orchesters Berlin den Großteil der Orchestermusiker gestellt hatten. Auch dadurch war nun den Schlesischen Musikfesten ein außergewöhnlicher künstlerischer Rang gesichert. 

Im Jahre 1910 ließ er die für die Schlesischen Musikfeste 1878 errichtete Festhalle durch die von Bernhard Sehring entworfene Görlitzer Stadthalle als Festspielhaus ersetzen. Deren Festsaal ist der größte Konzertsaal zwischen Dresden und Breslau und mit einer großen Konzertorgel der Firma Sauer ausgestattet.