Die Schlesischen Musikfeste

Fast 200 Jahre Tradition

Die schlesischen Musikfeste sind mit ihrer nunmehr über 190jährigen Tradition vermutlich das älteste Musikfestival Deutschlands, dessen Tradition nie ganz abgerissen ist – ein kulturelles Denkmal von nationaler und europäischer Bedeutung. Im August 1830 fand das erste Schlesische Musikfest in Bad Salzbrunn statt, dem schnell in zuerst jährlichem, dann zweijährlichem Rhythmus an verschiedenen Orten Nieder- und Mittelschlesiens wie Freiburg, Schweidnitz, Striegau, Waldenburg, Brieg, Jauer, Landeshut und Breslau weitere folgten. Daneben gab es kleinere und kurzlebigere regionale Musikfeste. Dabei zählte es zu der Grundidee der Musikfeste, dass sie unter Mitwirkung engagierter musikalischer Laien – insbesondere vieler Laienchöre – stattfanden.

 

1876 begründete Graf Heinrich XIV. Bolko von Hochberg die Schlesischen Musikfeste auf künstlerisch anspruchsvollerem Niveau neu. Vom 16. bis 18. Juni 1876 fand das erste Schlesische Musikfest neuer Prägung statt, bei dem u.a. das Oratorium Josua von G. F. Händel mit 481 Sängern und 106 Instrumentalisten aufgeführt wurde. Die Programme der Schlesischen Musikfeste spannten nun „den Bogen vom instrumentalen Solistenkonzert bis zur sinfonischen Musik, vom Kunstlied bis zum Opernausschnitt“ (G. Speer), vorgetragen von berühmten Interpreten und geleitet von Stardirigenten der Zeit. 

Die Musikfeste fanden in wechselnder Folge in Breslau und Görlitz statt. Ab 1889 blieb Görlitz ausnahmslos der Veranstaltungsort, wo für diesen Zweck die von Bernhard Sehring entworfene Stadthalle erbaut wurde mit einer Konzertorgel von der Firma Sauer mit 72 Stimmen auf vier Manualen. Hier traten u.a. die königliche Kapelle Berlin, danach die Berliner Philharmoniker und die Schlesische Philharmonie Breslau als Festspielorchester auf. Der Chor setzte sich neben Sängern aus örtlichen Vereinen aus „den gemischtstimmigen Spitzenchören ganz Schlesiens“ (G. Speer) zusammen. Mit dem Musikfest 1942 fand diese Tradition kriegsbedingt ein vorläufiges Ende.

 

Ab 1946 fanden die Schlesischen Musikfeste aus ideologischen Gründen unter dem Namen „Görlitzer Musikwochen“ bis 1957 unter Mitwirkung renommierter Ensembles, z.B. des Leipziger Gewandhausorchesters, wieder statt. Von 1970 bis 1990 wurde die Tradition der Schlesischen Musikfeste u.a. durch die vom Arbeitskreis Schlesische Musik e.V. mitgestalteten Bergisch-Schlesischen Musiktage im Rheinisch-Bergischen Kreis fortgesetzt, bevor wieder von 1996 bis 2009 in Görlitz die vom Kuratorium Schlesische Lausitz e.V. getragenen Schlesische Musikfeste erklingen konnten. im Jahr 2011 mussten sie mangels staatlicher Unterstützung eingestellt werden.

Seit 2019 setzt sich der Initiativkreis zur Wiederbelebung der Schlesischen Musikfeste dafür ein, die Schlesischen Musikfeste wieder dauerhaft in Görlitz und Umgebung zu etablieren.